Die Kulturelle Landpartie im Wendland – ein Höhepunkt für alle Freunde von Kunsthandwerklichem und Liebhaber von Kleinkunstdarbietungen

Kulturelle Landpartie Veranstaltungskatalog
Collage: Titelbild des Ausstellungskatalog der Kulturellen Landpartie und Karte mit den Wunderpunkten aus dem Reisebegleiter

Jedes Jahr zwischen Himmelfahrt und Pfingsten findet sie statt: die Kulturelle Landpartie im Wendland in Niedersachsen. Jedem Fan von Kunsthandwerk kann ich nur empfehlen hier mal vorbei zu fahren, denn diese Veranstaltungen sind etwas ganz Besonderes. So viel Kreativität und ein so vielseitiges tolles Angebot an Produkten findet man selten. Und das Besondere: die Veranstaltungen finden an verschiedenen Orten, oftmals in offenen Ateliers, in Scheunen und schönen alten Häusern, in Veranstaltungsräumen, in gemütlichen Gärten usw. statt. Man kann mit dem Auto von einem Ausstellungsort zum nächsten fahren. Diese Veranstaltungsorte werden origineller weise Wunderpunkte genannt. Vielen Kunsthandwerkern kann man bei der Arbeit zuschauen,  sie kennenlernen und nette Gespräche führen kann man mit allen. Die Produkte sind Handarbeit aus Deutschland, mir ist jedenfalls kein Serienprodukt aus Fernost aufgefallen. Das Angebot ist so vielfältig, dass ich gar nicht weiss, was ich aufzählen soll. Es gibt Genähtes, Gefilztes, Geschmiedetes, Gekochtes, Lederarbeiten, Töpferartikel, Holzarbeiten, Schönes aus Glas….natürlich Spielzeug und Kleider für Kinder, Accessoires für Männer und Frauen, Wohnaccessoires, Fotografien, Bilder und Collagen…ein Blick auf die Homepage lohnt sich, da sind die Künstler aufgelistet.

Häuser im Wendland
Schöne Häuser im Wendland in denen Ausstellungen stattfinden

Besonders beeindruckt bin ich von einem Künstler namens Bernd Sidon aus Hannover, der aus natürlichen Materialien wie kleinen Aststückchen, Bucheckern, Samenständer von Pflanzen, Tannenzapfen usw. in akribischer Kleinarbeit große bezaubernde Collagen erstellt. Leider kann man diese fantastischen Bilder und Collagen nicht beschreiben, man muss sie gesehen haben. Auf seiner Homepage hat der Künstler einige schöne Objekte abgebildet. Seine Farbgebung und Anordnung der Natur-Elemente ist einfach einzigartig. Auf jeden Fall fällt mir in diesem Zusammenhang ein, dass einige Künstler nicht aus dem Wendland kommen, sondern zu dieser Zeit dort Gast sind.

Schild bei der Kulturellen Landpartie
Beschilderung zur Kulturellen Landpartie

Wer Lust hat, kann übrigens an einigen Stellen auch Kunsthandwerker-Kurse besuchen.

Natürlich werden an vielen Orten auch selbstgemachte Speisen und Getränke angeboten, alles durchaus bezahlbar, Vieles in Bio-Qualität, dazu einige regionale Spezialitäten. Ich liebe ja selbstgemachte Waffeln und Kuchen! Alles kann man dann an gemütlichen Plätzen genießen und dem bunten Treiben zugucken. Denn die Macher der Kulturellen Landpartie haben es geschafft: die Veranstaltungen sind sehr gut besucht.

viele Autos zur Kulturellen Landpartie
Parkschlangen vor den Orten zur Kulturellen Landpartie

Für uns als Liebhaber von Kunsthandwerk steht dieses natürlich im Vordergrund, aber die Kulturelle Landpartie bietet wesentlich mehr: Lesungen, Puppentheater, Musikdarstellungen usw. Man muss sich das so vorstellen: morgens fährt man zum ersten Veranstaltungsort, dort gibt es eventuell sogar Frühstück, dann guckt man sich alles an, trifft Gleichgesinnte, fährt zum nächsten Ort, lässt sich dort von den Angeboten verlocken, fährt weiter, genießt dann eventuell ein kleines Musikprogramm, beim nächsten Ort isst man eine Kleinigkeit, besucht eine Ausstellung, kostet das Einheimische Wendland Bier usw. Ein Mekka für Kunstinteressierte.

Ein Ziel: Gemeinsam gegen Atomkraft

Zur Zeit findet gerade die 26. Kulturelle Landpartie statt. Entstanden ist sie aus einer Protestbewegung gegen das Vorhaben, in Gorleben ein Endlager für Atommüll in einem undichten Salzstock zu errichten. Anti-Atomkraft-Gegner aus dem ganzen Land sind zum Protestieren nach Gorleben gekommen, viele im Wendland geblieben um den Protest aufrecht zu erhalten und ihre eigenen Lebensentwürfe zu leben. Dabei ist viel Künstlerisches und Eigenständiges entstanden. Auf mich wirken die Orte im Wendland sehr beschaulich, sehr individuell, sehr ländlich, sehr unterschiedlich. Alltag und Kommerz wirken hier menschennäher, nicht von Konzernen gemacht, hier geht es noch um Einzelnes und nicht um Großpakete mit dem kostenlosen Zusatzgeschenk. Jedenfalls ist es mein Eindruck und das ist doch ganz schön, dass man es hin und wieder noch erleben kann.

Und eines haben die Menschen hier gemeinsam: die Sorge, dass ihre Heimat zunehmend mit Atomabfall, für den es weltweit keine vernünftige Lösung gibt, verseucht wird.

 

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